Die Highlands Philosophie einer Landschaft - Teil 2

In diesem zweiten Teil zur Rundreise, verlassen wir das Festland. Es geht weiter auf der "Isle of Skye" und den Äußeren Hebriden. Vor der Westküste Schottlands liegt eine große Anzahl von Inseln. Das Land scheint zerbrochen zu sein. Einige Teile strebten ins Meer, weg vom Festland und bilden nun die Inselgruppe der Hebriden. Die Landschaft wandelt sich, desto weiter man sich vom Festland entfernt. Es wird schroffer wenn man die äußeren Hebriden erreicht, welchen im Westen nur noch der Atlantik folgt. Dort ist nicht nur das Ende Schottlands,sondern auch unseres Kontinents und es liegen einige tausend Kilometer zwischen den Hebriden und Labrador oder Neufundland in Kanada, am anderen Ende des "Großen Teichs". Doch so weit soll es gar nicht gehen. Erstmal kommt die Insel des Himmels, welche sogar über eine Brücke erreicht werden kann.

Skye unterscheidet sich nicht grundlegend von dem Rest der Highlands. Der grüne Teppich bekommt aber erste Risse. Das Grün schafft es nicht mehr jeden Winkel der Berge zu erobern. Trotzdem gibt es noch Flecken, wo es sich eingenistet hat und makellos auf den Steinen ruht. Eine dieser Stellen bekam sogar einen Namen. Quiaring im Norden der Insel, nennt man diesen bekannten Aussichtspunkt. 
Vorher erreichte ich aber den "Old Man of Storr" an der Ostküste. Dabei handelt es sich um eine auffällige Felsformation. Scheinbar erkannten einige Einwohner eine Mann in den Felsnadeln, was zu der Bezeichnung führte, die ich nur schwer nachvollziehen kann. Es zeugt mal wieder, das wir die Natur ordnen wollen und nach Mustern suchen die uns vertraut sind. Aus dem Erkennen solcher Muster, ergeben sich Mythen, Sagen und ätiologische Erzählungen. So ging man früher mit solchen Stätten um. Sie wurden heilig, da man mit ihnen etwas erklären konnte und mit Geschichten bereicherte. 
Heute ist das anders. Es treiben sich Massen von Touristen am alten Mann und er ist ein "Besuchermagnet" geworden. Der Pfad zur Felsnadel ist abgetreten, von den tausenden Schuhen, die jedes Jahr den Weg ein Stück weiter austrampeln. Den Menschen die in den Schuhen stecken, ist die Felsformation keineswegs heilig. Sie ist Teil der "Bucket list". Busse mit der Aufschrift "Scenic tours of Skye" halten vor den Felsnadeln und karren mehr und mehr Menschen an. Der sakrale Old Man of Storr ist also profan geworden. 
In dieser Hinsicht sind uns uns unsere Vorfahren überlegen. Wenn die Natur sakral ist, schützt man diese auch. Lässt sie nicht verkommen zu einem Ort des Kommerz und trampelt sie zu Tode. Doch die Natur muss nicht wieder zum Mythos werden. Es würde reichen wenn man ihren Wert erkennt und den erweiterten kategorischen Imperativ von Hans Jonas zu Herzen nimmt. „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ 

Old Man of Storr:

Nach den Felsnadeln kommen die Wasserfälle, das Wasser was sich in den Schoß des Meeres fallen lässt. Also dorthin, wo es hingehört. Die Steilküste und die Menge an Flüssen und Bächen, welche abfließen wollen, ermöglichen es diesen nicht immer sanft über den Strand in das Meer zu plätschern. Wasserfälle faszinieren die Menschen. Dabei ist an ihnen nichts Spektakuläres. Es ist einfach Wasser, welches einem der simpelsten Gesetze der Natur folgt. Der Schwerkraft. Trotzdem tummeln sich auch hier wieder die Busse und Wohnmobile um diesem ordinären Spiel der Natur beizuwohnen. 
Neben einem dem Fälle, findet sich wieder die Mustererkennung. Der "Kilt Rock" sieht aus wie ein typischer Schottenrock. Die Felsen fallen zum Meer wie die Falten des Stoffes. Im Felsen zeigt sich also ein Stück Landeskultur in Stein gemeiselt. Vielleicht wäre in einem anderen Land nie jemand auf die Idee gekommen den Felsen Kilt Rock zu nennen. Unsere Umgebung färbt immer ab auf unsere Erkenntnis.  



Der Weg zur anderen Seite der Insel war beschwerlich. Schon am Tag davor wehte ein starker Wind, welcher später von Regen begleitet wurde. Diese Wetterlage hielt bis zum Morgen an. Selbst die Schafe, welche rings um das Zelt grasten, wurde der Sturm und der Regen zu viel. Einige verkrochen sich hinter Steinen. Erst wenn man den durchnässten Vierbeinern ganz nah war, suchten diese das weite. Den Schafen wurde das Wetter also unangenhemer als die Begegnung mit dem Menschen. Trotz des Wetters galt es eine Fähre zu erreichen. 
Auf dem Weg nach Uig im Westen, war mir so ziemlich Alles egal. Das Zelt im Rucksack war nass und es war anfangs kein Ende in Sicht. Deshalb war mir nicht klar, das ich mich auf dem Weg zum erwähnten "Quiraing" befand. Einfach der kleinen Straße musste ich folgen. Ungefähr auf der Mitte des Weges, lag der Aussichtspunkt. Wie im vorigen Post erwähnt, vollzog das Wetter wieder sein Schauspiel und die Nässe auf dem Boden, zusammen mit dem Ausbleiben der Nässe von Oben, stellte den grünen Fleck in ein besonderes Licht. Vor allem war es aber das Unerwartete, die Überraschung, welche die Begehung so besonders machte. Wenn alles nass ist, wirkt das Grün noch satter. Es ist auch satt. Es hat alles was es braucht. Nur die Sonne hielt sich zurück und ermöglichte es so dem Nebel sich zu zeigen.

           Quiraing:

Von dort war es nur noch eine Stunde bis Uig. Die Aussicht war damit das Abschiedsgeschenk der Isle of Skye. Der Weg führt durch eine Art Hochplateau, um dann zur Küste abzufallen. Der Ort an der Küste erscheint vor allem als Transitstation. Mit der Fähre erreicht man Tarbert auf der Insel Lewis and Harris. Im Ort befinden sich gefühlt mehr Menschen die die Fähre benutzen wollen als Einwohner. Der "Kulturschock" von Fort William blieb deshalb aus. Alles in Allem waren es 3 Tage auf Skye mit allen Wetterlagen und der Lust auf mehr Landschaft die vom Festland abweicht. Diese findet man auf den äußeren Hebriden. Dort findet man schroffe Felsen und eine Inselkultur in Reinform. Sogar blaue Strände wie in der Karibik findet man an diesem Fleck der Erde, an dem man diese kaum erwarten würde. Doch dazu später.... 









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